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Gut 900 Jahre gemeinsame
Geschichte verbinden die beiden Schwesterdörfer Groß- und Kleingeschaidt,
auf der Höhe des Kalchreuth-Tauchersreuther Liasrückens zwischen Gründlach
und Schwabachtal gelegen.
Der örtliche
Sprachgebrauch spricht von "Gschaa" und unterscheidet somit nicht näher
zwischen Groß- und Kleingeschaidt. Ebenso wird auch in älteren
Aufzeichnungen häufig nur "Geschaidt" erwähnt. Der Name leitet sich (nach
Forschungen von Johannes E. Bischoff) von "Gescheide" = Bienenkorb her und
weist auf die Waldbienenpflege und den Bienenfang im unmittelbar
angrenzenden Sebalder Reichswald hin.
Kleingeschaidt, noch
heute die kleinere der beiden Siedlungen, liegt in einer Höhe von 404 m
östlich der heutigen Bundesstraße 2 und entlang der Höhenstraße, die von
Kalchreuth und Simonshofen ins Schnaittachtal führt. Mehrere alte
Verbindungwege, die von Heroldsberg aus durch die Reichswaldabteilung
"Blech" ins Schwabach- und Eckenbachtal ziehen, berühren die Ortsflur.
Kleingeschaidt war
bereits im Mittelalter Verwaltungssitz einer Erbforsthut, die schon vor
1400 in die beiden Forsthuben Kleingeschaidt und Günthersbühl geteilt
wurde.
Auf Reichsboden
entstanden, war der Ort eng mit dem Reichsamt und der späteren Hofmark
Heroldsberg verbunden; ebenso bestanden zu der benachbarten Herrschaft
Neunhof seit dem späten Mittelalter durch die Grund- und
Gemeindeherrschaft sowie durch die kirchliche und schulische Zugehörigkeit
enge Verbindungen.
Wichtige Daten aus der Geschichte des Ortes im Überblick
| ca. 1300 |
In dem um das
Jahr 1300 verfaßten Nürnberger Reichssalbüchlein, das den Umfang des
Reichslandes um Nürnberg beschreibt, wird Kleingeschaidt ('zue dem
kleinen Geschait') erstmals erwähnt. Der Ort gehörte damals zum
Reichsgut um Heroldsberg. Wenn auch diese erste urkundliche Nennung
vergleichsweise spät erfolgt, so dürfte Kleingeschaidt ähnlich wie
andere Orte im Bereich des Heroldsberger Reichsforstes doch bereits im
11. Jahrhundert entstanden sein. |
| 1302 |
Bischof
Leupold von Bamberg verpfändet den Zehnten zu Geschaidt und
Schöllenbach an den Nürnberger Bürger Weigel von Neumarkt. 1320 und
1358 wird berichtet, daß Angehörige dieser Familie auch die
Grundherrschaft über eine Reihe von Anwesen in Geschaidt innehaben.
Mit dem Amt Heroldsberg gerät Kleingeschaidt durch Verpfändungen und
Belehnungen im Mittelalter unter häufig wechselnde Besitzer, darunter
die Grafen von Nassau, die Burggrafen von Nürnberg und der Herzog
Swantibor von Pommern. |
| 1391 |
gelangt
Kleingeschaidt mit anderen Orten des ehemaligen Reichsamtes
Heroldsberg durch Kauf an die Nürnberger Patrizier Familie Geuder. Sie
übte seitdem die Grundherrschaft über die Mehrzahl der Anwesen, die
Gemeindeherrschaft und die Hohe Gerichtsbarkeit aus. |
| 1520 |
Kleingeschaidt
bildet mit benachbarten Orten den von der Mutterkirche Kirchröttenbach
abgetrennten Sprengel der neu gegründeten Pfarrei Beerbach. |
| 1521 |
Mit der
Beerbacher Kirchengemeinde wendet sich Kleingeschaidt der lutherischen
Reformation zu. |
| 1660 |
Im 'Laufer
Vergleich' tritt die verschuldete Familie Geuder die Grund- und
Gemeindeherrschaft in Kleingeschaidt an die Familie Welser ab. Davon
ausgenommen bleibt nur die Hohe Gerichtsbarkeit.
Den neuen Welserschen Besitz in Kleingeschaidt erhielt Magdalena
Jakobina Holzschuher, geb. Welser, zugesprochen. |
| 1697 |
Nach dem Tode
der Magdalena Jakobina Holzschuher verkauft ihr Ehemann Lazarus
Holzschuher von Neuenbürg die Kleingeschaidter Rechte und Besitzungen
an die Welsersche Gesamtfamilie in Neunhof um 3100 Gulden. |
| 1705 |
spricht der
Rat der Stadt Nürnberg, zu deren Landgebiet Kleingeschaidt gehörte,
die Gemeindeherrschaft der Familie Welser zu. Trotzdem wurden die
Geuderschen und Welserschen Rechte in Kleingeschaidt und seiner Flur
immer wieder von der Familie Muffel von Eschenau und dem
Markgräflichen Amt Baiersdorf bestritten und behindert. |
| 1796 |
Das Königreich
Preußen als Rechtsnachfolger der Fürstentümer Ansbach und Bayreuth
besetzt Teile des Nürnberger Landgebietes, darunter auch
Kleingeschaidt, das nun dem Oberamt Baiersdorf unterstellt wird. |
| 1807 |
Nach dem
Verzicht Preußens auf das Fürstentum Bayreuth gerät Kleingeschaidt
unter französische Oberhoheit. |
| 1810 |
Frankreich
übergibt die Provinz Bayreuth an das Königreich Bayern. Kleingeschaidt
wird damit ebenfalls bayerisch. |
| 1818 |
Bildung der 'Ruralgemeinde'
(Landgemeinde) Kleingeschaidt mit 22 Haushalten im Bezirk des kgl.
Rentamts Erlangen. |
| 1819 |
Wiederherstellung der in preußischer und französischer Zeit
beschränkten Welserschen Gerichtsbarkeit durch Errichtung des
Königlich Bayerischen Freiherrlich von Welserschen Patrimonialgerichts
Groß- und Kleingeschaidt mit Sitz in Nürnberg. |
| 1835 |
Übergabe des
Patrimonialgerichts der Welser an den bayerischen Staat. Die
Gerichtsherrschaft und die Polizeigewalt gehen an das Landgericht
Erlangen über. |
| 1854 |
Umbenennung
des ehemaligen reichsstädtischen Forstreviers Kleingeschaidt in
Forstrevier Heroldsberg mit Dienstsitz in Heroldsberg. |
| 1895 |
Eröffnung der
von den beiden Gemeinden Groß- und Kleingeschaidt gemeinsam
errichteten Volksschule. |
| 1901 |
Gründung des
Sängerkreises Kleingeschaidt (später vereinigt zum Gesangverein Groß-
und Kleingeschaidt). |
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1939 |
Gründung der
Freiwilligen Feuerwehr Kleingeschaidt. |
| 1943 |
Kriegsbedingte
Auslagerung von Teilen der Präzisions-Werkzeugfabrik Ernst Reime in
Nürnberg als Werk II in der ehemaligen Ziegelei in Kleingeschaidt. |
| 1944 |
Grundsteinlegung der Reimesiedlung westlich des alten Ortskerns als
Werksiedlung für Mitarbeiter der Firma Reime. |
| 1972 |
Schließung der
seit 1962 zweiklassig geführten Schule. Der Unterricht wird nun in
Kalchreuth und Heroldsberg erteilt. |
| 1976 |
Inbetriebnahme
des Fernsehfüllsenders auf Kleingeschaidter Flur für die Versorgung
der Gemeinden Eckental, Beerbach und Neunhof. |
| 1978 |
Im Zuge der
Gemeindegebietsreform wird die bisher selbsständige Gemeinde
Kleingeschaidt Bestandteil des Marktes Heroldsberg im 1972
neugebildeten Landkreis Erlangen-Höchstadt. |
Die alten Anwesen
des Ortes
Zusammen mit der neuen
Reimesiedlung zählt Kleingeschaidt heute fast 60 Wohnstätten.
Die älteren Anwesen, die bereits 1837 und zum Teil über viele Jahrhunderte
zurück
bestanden, sind folgende:
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Nr. |
alte Nr.
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21
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1 + 18
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Das
'Schwindelgut' unterstand der Welserschen Grundherrschaft. Früher
wurde hier das Weberhandwerk betrieben. |
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23
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2
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Auf dem
'Wehegut' ist seit dem 17 Jahrhundert das Schankrecht der Welserschen
Herrschaft nachweisbar. Das Gasthaus bestand bis in unsere Zeit. |
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27 + 29
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3 + 4
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Das 'Böhmergut'
mit Wohn- und Nebenhaus gehörte zur Welserschen Grundherrschaft. |
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31
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5
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'Poppenhof'
und Nr. 33 (alt 6) 'Kästelgut' bildeten bis zur Teilung 1823 den
'Eckenhof' unter Welserscher Herrschaft. |
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38
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7 + 8
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Ebenfalls
zur Grundherrschaft der Welser von Neunhof gehörte der
'Hausbauernhof', eines der altesten Anwesen des Ortes. |
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25
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9 + 10
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Der 'Schloßbauernhof'
unterstand dem Waldamt St. Sebald und war bis zur Mitte des 18.
Jahrhunderts Herrensitz Nürnberger Patrizierfamilien, die die
Erbforsthube Kleingeschaidt innehatten. Das noch bestehende
Hauptgebäude wurde 1614 unter Christoph Pfinzing von Henfenfeld
errichtet. |
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33
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11 + 12
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Die
Erbforsthube, das ehemalige Forsthaus der Forsthube Kleingeschaidt,
unterstand dem Waldamt St. Sebald, es wurde 1775 errichtet. |
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22
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13 + 19
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Das
'Kummergut' gehörte mit der Grundherrschaft zur Welserschen Herrschaft
Neunhof. |
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13
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14
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Das 'Hansheinleinsgut'
am Ortsausgang Richtung Großgeschaidt unterstand ebenfalls der
Welserschen Grundherrschaft. |
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15
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15
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Über das
'Summerische Gütlein' übte die Nürnberger Patrizierfamilie Grundherr
von Altenthann und Weiherhaus die Grundherrschaft aus. |
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17
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16
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Das
ehemalige Hirten- und Gemeindehaus der Gemeinde Kleingeschaidt
entstand nach dem Dreißigjährigen Krieg auf einem Grundstück der
Forsthube Kleingeschaidt und gehörte mit der Grundherrschaft zum
Waldamt St. Sebald. |
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36
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17
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1813 wurde
das Anwesen im ehemaligen Garten des Försters neu errichtet. |
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20
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20
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Dieses
Anwesen entstand 1837 auf einem Grundstück, das ein Jahr zuvor von
Haus alte Nr. 14 abgetrennt worden war. |
Dieser kurze Abriß wurde verfaßt
von Diplom-Bibliothekar Ewald Glückert, 1987
Für die Erlaubnis, die Chronik im
Internet veröffentlichen zu dürfen, vielen Dank.
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