Hier ein Beitrag zur Kleingeschaidter Geschichte:
Der
Luftangriff auf Kleingeschaidt,
 in der Nacht vom 30. zum 31. März 1944,
verfasst vom Kleingeschaidter Friedrich Ziegler.

 


Die Geschichte von Kleingeschaidt

 
   

Gut 900 Jahre gemeinsame Geschichte verbinden die beiden Schwesterdörfer Groß- und Kleingeschaidt, auf der Höhe des Kalchreuth-Tauchersreuther Liasrückens zwischen Gründlach und Schwabachtal gelegen.

Der örtliche Sprachgebrauch spricht von "Gschaa" und unterscheidet somit nicht näher zwischen Groß- und Kleingeschaidt. Ebenso wird auch in älteren Aufzeichnungen häufig nur "Geschaidt" erwähnt. Der Name leitet sich (nach Forschungen von Johannes E. Bischoff) von "Gescheide" = Bienenkorb her und weist auf die Waldbienenpflege und den Bienenfang im unmittelbar angrenzenden Sebalder Reichswald hin.

Kleingeschaidt, noch heute die kleinere der beiden Siedlungen, liegt in einer Höhe von 404 m östlich der heutigen Bundesstraße 2 und entlang der Höhenstraße, die von Kalchreuth und Simonshofen ins Schnaittachtal führt. Mehrere alte Verbindungwege, die von Heroldsberg aus durch die Reichswaldabteilung "Blech" ins Schwabach- und Eckenbachtal ziehen, berühren die Ortsflur.

Kleingeschaidt war bereits im Mittelalter Verwaltungssitz einer Erbforsthut, die schon vor 1400 in die beiden Forsthuben Kleingeschaidt und Günthersbühl geteilt wurde.

Auf Reichsboden entstanden, war der Ort eng mit dem Reichsamt und der späteren Hofmark Heroldsberg verbunden; ebenso bestanden zu der benachbarten Herrschaft Neunhof seit dem späten Mittelalter durch die Grund- und Gemeindeherrschaft sowie durch die kirchliche und schulische Zugehörigkeit enge Verbindungen.
 
  Wichtige Daten aus der Geschichte des Ortes im Überblick
 
 

ca. 1300 In dem um das Jahr 1300 verfaßten Nürnberger Reichssalbüchlein, das den Umfang des Reichslandes um Nürnberg beschreibt, wird Kleingeschaidt ('zue dem kleinen Geschait') erstmals erwähnt. Der Ort gehörte damals zum Reichsgut um Heroldsberg. Wenn auch diese erste urkundliche Nennung vergleichsweise spät erfolgt, so dürfte Kleingeschaidt ähnlich wie andere Orte im Bereich des Heroldsberger Reichsforstes doch bereits im 11. Jahrhundert entstanden sein.
1302 Bischof Leupold von Bamberg verpfändet den Zehnten zu Geschaidt und Schöllenbach an den Nürnberger Bürger Weigel von Neumarkt. 1320 und 1358 wird berichtet, daß Angehörige dieser Familie auch die Grundherrschaft über eine Reihe von Anwesen in Geschaidt innehaben.
Mit dem Amt Heroldsberg gerät Kleingeschaidt durch Verpfändungen und Belehnungen im Mittelalter unter häufig wechselnde Besitzer, darunter die Grafen von Nassau, die Burggrafen von Nürnberg und der Herzog Swantibor von Pommern.
1391 gelangt Kleingeschaidt mit anderen Orten des ehemaligen Reichsamtes Heroldsberg durch Kauf an die Nürnberger Patrizier Familie Geuder. Sie übte seitdem die Grundherrschaft über die Mehrzahl der Anwesen, die Gemeindeherrschaft und die Hohe Gerichtsbarkeit aus.
1520 Kleingeschaidt bildet mit benachbarten Orten den von der Mutterkirche Kirchröttenbach abgetrennten Sprengel der neu gegründeten Pfarrei Beerbach.
1521 Mit der Beerbacher Kirchengemeinde wendet sich Kleingeschaidt der lutherischen Reformation zu.
1660 Im 'Laufer Vergleich' tritt die verschuldete Familie Geuder die Grund- und Gemeindeherrschaft in Kleingeschaidt an die Familie Welser ab. Davon ausgenommen bleibt nur die Hohe Gerichtsbarkeit. 
Den neuen Welserschen Besitz in Kleingeschaidt erhielt Magdalena Jakobina Holzschuher, geb. Welser, zugesprochen.
1697 Nach dem Tode der Magdalena Jakobina Holzschuher verkauft ihr Ehemann Lazarus Holzschuher von Neuenbürg die Kleingeschaidter Rechte und Besitzungen an die Welsersche Gesamtfamilie in Neunhof um 3100 Gulden.
1705 spricht der Rat der Stadt Nürnberg, zu deren Landgebiet Kleingeschaidt gehörte, die Gemeindeherrschaft der Familie Welser zu. Trotzdem wurden die Geuderschen und Welserschen Rechte in Kleingeschaidt und seiner Flur immer wieder von der Familie Muffel von Eschenau und dem Markgräflichen Amt Baiersdorf bestritten und behindert.
1796 Das Königreich Preußen als Rechtsnachfolger der Fürstentümer Ansbach und Bayreuth besetzt Teile des Nürnberger Landgebietes, darunter auch Kleingeschaidt, das nun dem Oberamt Baiersdorf unterstellt wird.
1807 Nach dem Verzicht Preußens auf das Fürstentum Bayreuth gerät Kleingeschaidt unter französische Oberhoheit.
1810 Frankreich übergibt die Provinz Bayreuth an das Königreich Bayern. Kleingeschaidt wird damit ebenfalls bayerisch.
1818 Bildung der 'Ruralgemeinde' (Landgemeinde) Kleingeschaidt mit 22 Haushalten im Bezirk des kgl. Rentamts Erlangen.
1819 Wiederherstellung der in preußischer und französischer Zeit beschränkten Welserschen Gerichtsbarkeit durch Errichtung des Königlich Bayerischen Freiherrlich von Welserschen Patrimonialgerichts Groß- und Kleingeschaidt mit Sitz in Nürnberg.
1835 Übergabe des Patrimonialgerichts der Welser an den bayerischen Staat. Die Gerichtsherrschaft und die Polizeigewalt gehen an das Landgericht Erlangen über.
1854 Umbenennung des ehemaligen reichsstädtischen Forstreviers Kleingeschaidt in Forstrevier Heroldsberg mit Dienstsitz in Heroldsberg.
1895 Eröffnung der von den beiden Gemeinden Groß- und Kleingeschaidt gemeinsam errichteten Volksschule.
1901 Gründung des Sängerkreises Kleingeschaidt (später vereinigt zum Gesangverein Groß- und Kleingeschaidt).
1939 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Kleingeschaidt.
1943 Kriegsbedingte Auslagerung von Teilen der Präzisions-Werkzeugfabrik Ernst Reime in Nürnberg als Werk II in der ehemaligen Ziegelei in Kleingeschaidt.
1944 Grundsteinlegung der Reimesiedlung westlich des alten Ortskerns als Werksiedlung für Mitarbeiter der Firma Reime.
1972 Schließung der seit 1962 zweiklassig geführten Schule. Der Unterricht wird nun in Kalchreuth und Heroldsberg erteilt.
1976 Inbetriebnahme des Fernsehfüllsenders auf Kleingeschaidter Flur für die Versorgung der Gemeinden Eckental, Beerbach und Neunhof.
1978 Im Zuge der Gemeindegebietsreform wird die bisher selbsständige Gemeinde Kleingeschaidt Bestandteil des Marktes Heroldsberg im 1972 neugebildeten Landkreis Erlangen-Höchstadt.


 
 

Die alten Anwesen des Ortes

Zusammen mit der neuen Reimesiedlung zählt Kleingeschaidt heute fast 60 Wohnstätten.
Die älteren Anwesen, die bereits 1837 und zum Teil über viele Jahrhunderte zurück
bestanden, sind folgende:
 
 

Nr.

alte Nr.

 

21

1 + 18

Das 'Schwindelgut' unterstand der Welserschen Grundherrschaft. Früher wurde hier das Weberhandwerk betrieben.

23

2

Auf dem 'Wehegut' ist seit dem 17 Jahrhundert das Schankrecht der Welserschen Herrschaft nachweisbar. Das Gasthaus bestand bis in unsere Zeit.

27 + 29

3 + 4

Das 'Böhmergut' mit Wohn- und Nebenhaus gehörte zur Welserschen Grundherrschaft.

31

5

'Poppenhof' und Nr. 33 (alt 6) 'Kästelgut' bildeten bis zur Teilung 1823 den 'Eckenhof' unter Welserscher Herrschaft.

38

7 + 8

Ebenfalls zur Grundherrschaft der Welser von Neunhof gehörte der 'Hausbauernhof', eines der altesten Anwesen des Ortes.

25

9 + 10

Der 'Schloßbauernhof' unterstand dem Waldamt St. Sebald und war bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts Herrensitz Nürnberger Patrizierfamilien, die die Erbforsthube Kleingeschaidt innehatten. Das noch bestehende Hauptgebäude wurde 1614 unter Christoph Pfinzing von Henfenfeld errichtet.

33

11 + 12

Die Erbforsthube, das ehemalige Forsthaus der Forsthube Kleingeschaidt, unterstand dem Waldamt St. Sebald, es wurde 1775 errichtet.

22

13 + 19

Das 'Kummergut' gehörte mit der Grundherrschaft zur Welserschen Herrschaft Neunhof.

13

14

Das 'Hansheinleinsgut' am Ortsausgang Richtung Großgeschaidt unterstand ebenfalls der Welserschen Grundherrschaft.

15

15

Über das 'Summerische Gütlein' übte die Nürnberger Patrizierfamilie Grundherr von Altenthann und Weiherhaus die Grundherrschaft aus.

17

16

Das ehemalige Hirten- und Gemeindehaus der Gemeinde Kleingeschaidt entstand nach dem Dreißigjährigen Krieg auf einem Grundstück der Forsthube Kleingeschaidt und gehörte mit der Grundherrschaft zum Waldamt St. Sebald.

36

17

1813 wurde das Anwesen im ehemaligen Garten des Försters neu errichtet.

20

20

 Dieses Anwesen entstand 1837 auf einem Grundstück, das ein Jahr zuvor von Haus alte Nr. 14 abgetrennt worden war.


 

Dieser kurze Abriß wurde verfaßt von Diplom-Bibliothekar Ewald Glückert, 1987

Für die Erlaubnis, die Chronik im Internet veröffentlichen zu dürfen, vielen Dank.